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PNP | 23.03.2010 

 

16 Hände an zwei Gitarren

La Volta zeigen virtuoses Können an verschiedensten Saiteninstrumenten   

 
Ein Konzert des Jugend-Gitarrenensembles La Volta ist schon vor seinem Beginn unheimlich spannend, denn die ganze Bühne ist voll von Musikinstrumenten, die man so vielleicht noch nie gesehen hat. Winzige Ukulelen wirken neben einem riesigen mexikanischen Bass fast wie Spielzeug, da gibt es Banjos, schön verzierte Mandolinen und ein historisches Instrument, die Pandora, das mit seiner welligen Form sofort unter den anderen heraussticht. Wenn dann die Ensemblemitglieder von La Volta die Bühne betreten, kann man sich kaum vorstellen, dass die zwischen elf und 18 Jahre alten Musiker all diese Instrumente auch tatsächlich beherrschen.


Bei ihrem Konzert im Kloster Niedernburg, das im Rahmen des Passauer Gitarrenfestivals stattfand, belehrten die jungen Tonkünstler ihr Publikum schnell eines Besseren. Bei temporeichen Tarantella-Tänzen zeigten sie ihre unglaubliche Fingerfertigkeit und auch bei den für uns Westeuropäer eher ungewöhnlichen griechischen Rhythmen ließen sie sich nicht aus dem Takt bringen. Für den Konzertteil, der unter dem Motto „alte Musik“ stand, hat das Ensemble seltene historische Instrumente nachbauen lassen. Es bereitet den jungen Gitarristen hörbar Freude, neben nationalen Besonderheiten einzelner Musikrichtungen auch epochale Unterschiede herauszuarbeiten. Neben vielen unterschiedlichen Saiteninstrumenten kamen auch jede Menge Perkussionsinstrumente zum Einsatz, darunter so ungewöhnliche Objekte wie eine Rassel aus Ziegenkrallen, ein Mauleselgebiss und ein Gummihahn.


Ensemble-Leiter Jürgen Hübscher hat es bei so viel Auswahl manchmal gar nicht leicht: „Wenn die Schüler zu mir kommen, fangen sie meist mit Gitarre oder einigen Perkussionsinstrumenten an. Aber dann sehen sie bei den Älteren eine Laute oder eine Mandoline oder einen Bass, und dann sind sie kaum zu bremsen. Sie wollen am liebsten alles spielen. Meist spezialisieren sie sich auf einige Instrumente, aber das heißt nie, dass sie nicht auch andere Instrumente benutzen dürfen.“ Etwa 50 verschiedene Instrumente hat La Volta in seinen Übungszimmern, doch da es nicht immer leicht ist, sie alle mit auf Konzertreise durch ganz Europa, Russland und Kanada zu nehmen, haben sich die Musiker eine Möglichkeit einfallen lassen, ihr Gepäck in Zukunft zu reduzieren. Sie überraschten die Passauer mit einer Weltpremiere der besonderen Art und bewiesen, dass acht Musiker auf nur zwei Gitarren traumhafte Klänge hervorbringen können!
Die Zuhörer haben an diesem Abend übrigens nicht nur viel gehört, sondern auch viel gelernt: Mit Witz, aber vor allem Wissen führte Ensembleleiter Jürgen Hübscher durchs Programm, so dass kleine und große Besucher nun nicht nur wissen, dass Barockmusiker nicht mit Melodien, sondern Akkorden arbeiteten und dass man in manchen Ländern Instrumente aus den Panzern von Gürteltieren baute, sondern auch, dass das Tanzen einer Tarantella in Italien als einzige Möglichkeit gilt, nach einem Spinnenbiss sein Leben zu retten.

Von Barbara Osdarty