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PNP | 15.03.2010 

 

Das keltische Erbe Europas lebt in der Musik 

Matthew McAllister beim „Saitenfestival“   

 

Denkt man an Schottland, so assoziiert man es als Erstes die unwirtlichen Highlands, raue Winde, stürmische See, rauchigen Whisky - und ohrenbetäubende Dudelsackmusik. Wer aber am Samstagabend das Konzert des schottischen Gitarrenvirtuosen Matthew McAllister im Rahmen des Gitarrenfestivals „Passauer Saiten“ miterleben durfte, wird die Nation im Norden Großbritanniens zukünftig auch mit Melancholie, Melodik, Feingefühl, aber auch Fröhlichkeit und Lebensfreude in Verbindung bringen.

Der Professor für klassische Gitarre an der Universität St. Andrews stellte unter dem Motto „The Celtic Guitar“ Stücke aus schottischen Lautenmanuskripten des 17. Jahrhunderts, irische Tanzmelodien und zeitgenössische Kompositionen vor. Dabei war die Rückbesinnung auf die traditionellen Wurzeln unüberhörbar. Immer wieder erinnerten Passagen an die Spielart der Clarsach, der keltischen Harfe, ebenso waren Anklänge an die Bordunpfeifen des Dudelsacks in der offenen Bassbegleitung auszumachen. Und das für irisch-schottische Fiddletunes so typische Triolenspiel übertrug McAllister meisterlich auf die Gitarre.

Der Schotte agiert völlig unaufgeregt, hochkonzentriert, beweist absolute Fingerfertigkeit in allen Lagen, spielt sehr sauber - und mit viel Gefühl. Selten hört man derart weiches Melodiespiel auf den Diskantsaiten, die Bässe kommen prägnant, glockig die Flageoletts.

McAllister spannt den Bogen hinüber nach Amerika, wohin viele Schotten und Iren emigrierten. Dass sie dabei ihre Musik mitnahmen, demonstriert eine Komposition des Amerikaners Ralph Towner. Nahtlos fügen sich aber auch die Suite 1007 von Johann Sebastian Bach und die Suite Nr. 2 des Kubaners Leo Brouwer ins Programm. Bei den Zugaben ist „der Kelte“ mit einem Stück John Dowlands wieder vollends in der Heimat Britannien angekommen. Den Organisatoren gebührt der Dank, die ostbayerischen Gitarrenfreunde mit diesem Ausnahmekünstler bekanntgemacht zu haben.

Walter Peschl