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PNP | 13.03.2010
Schuberts Schmäh
Begeistertes Publikum zum Auftakt der 2. „Passauer Saiten“
Foto: cp| PNP
Bereits zur Eröffnung des Gitarrenfestivals „Passauer Saiten“ am Donnerstagabend im Kloster Niedernburg wird das diesjährige Programm „zwischen Volks-, Folk- und klassischer Musik“ ausgesprochen überzeugend umgesetzt. Der Titel „Schubert Schrammeln“ soll nicht Verschiedenes zusammenzwingen, sondern macht auf innere Zusammenhänge aufmerksam.
„Schubert hat Schrammelmusik geschrieben, er wusste es nur nicht“, meint Yvonne Zehner, die mit dem anderen Organisator Jürgen Schwenkglenks ein paar Einführungsworte ans Publikum richtet. Schubert ist damit ein vielschichtiger, gemeinsamer Bezugspunkt, von dem aus eine Entwicklungslinie von der ausklingenden Klassik über die Wiener Volks- bzw. Schrammelmusik im späten 19. Jahrhundert bis ins heutige Passau hervortritt - einen Abstecher nach Salzburg eingeschlossen. Einen Großteil des Konzerts gestaltet nämlich das „Salzburger Schrammelquartett“ mit einer Wiener Musik („Alt-Wiener Märchen“, „Wiener Blut“, „Wien bleibt Wien“), bei der kein bisschen Kaffeehaustrübsinn aufkommt, die längst im gepflegten Salon angekommen ist. Bei ihnen gibt es kein Raunzen, es herrscht zartschmelzende Klarheit vor, die mit leichter Hand ins Tänzerische übergeht. Wenn Schmäh serviert wird, dann auf dem polierten Silbertablett.
Übertroffen werden sie nur von dem großen Ausdruck, den Chih-Hui Chang (Violoncello) und Yvonne Zehner (Gitarre) im Anschluss in Schuberts Sonate „Arpeggione“ legen, ihre Interpretation ist ein Höhepunkt des Abends und wird nach der Pause von Gabriele Blankes (Sopran) und Jürgen Schwenkglenks’ (Gitarre) Vortrag von Schubertliedern ergänzt. Der begeisterte Applaus aus vollem Saal, mit dem schließlich der „Dritte Mann“, die Zugabe der Salzburger, begrüßt wird, lässt das Festival schon bei seinem zweiten Anlauf erstaunlich konsolidiert und gut etabliert wirken.
Frank Müller
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